Dr. Prabhat Poddar

Prabhat Kumar Poddar widmete einen großen Teil seines Lebens einer Frage, die weit über Architektur im üblichen Sinn hinausging:

Wie wirkt ein Gebäude auf die Menschen, die darin leben – und welche Rolle spielt der Ort, an dem es steht?

Aus seiner Arbeit als Architekt und Stadtplaner führte ihn diese Frage zur Geobiologie und schließlich zu einer neuen Beschäftigung mit Vastu. Über Jahrzehnte verband er diese Bereiche in Forschung, Lehre und praktischer Arbeit mit realen Gebäuden.
DR. PRABHAT KUMAR PODDAR · 1949–2021
Architekt, Forscher und Lehrer an der Schnittstelle von Architektur, Vastu und Geobiologie
PONDICHERRY
Pondicherry prägte seinen Blick auf Lernen, Leben und Architektur
Prabhat wurde 1949 in Bombay geboren. 1953 zog seine Familie nach Pondicherry und schloss sich dauerhaft dem Sri Aurobindo Ashram an. Prabhat war damals vier Jahre alt.

Er wuchs im Ashram auf und studierte am Sri Aurobindo International Centre of Education. Dort beschäftigte er sich auch mit Bauingenieurwesen, Architektur und Stadtplanung. Die Mutter ermutigte ihn zu diesem Weg und förderte später seine aktive Mitarbeit an Auroville.

Die Vorstellung, dass Bildung nicht mit einer Ausbildung endet, sondern ein lebenslanger Prozess ist, blieb für Prabhat prägend. Auch Architektur verstand er zunehmend als Teil einer umfassenderen Frage danach, wie Menschen leben und welche Rolle ihre Umgebung dabei spielt.
Pondicherry, um 1890 · Bourne & Shepherd · Public Domain
AUROVILLE
In Auroville wurde aus Ausbildung Verantwortung
Schon als junger Mann war Prabhat an der Planung von Auroville beteiligt, der von der Mutter gegründeten internationalen Stadt.

Von 1970 bis 1983 war er Koordinator der Auroville Planning Group. In diesen Jahren vertrat er Auroville auch international und nahm an Konferenzen und Gesprächen über Stadtplanung, Umwelt und menschliche Siedlungen teil.

Auroville war für ihn keine theoretische Studie. Planung, Bauen und die Entwicklung einer realen Stadt kamen dort unmittelbar zusammen.

Diese Erfahrung bildete einen wichtigen Ausgangspunkt für seine späteren Fragen über Architektur und die Wirkung gebauter Räume.
GEOBIOLOGIE
Die Architektur allein beantwortete nicht mehr alle seine Fragen
Seit 1977 arbeitete Prabhat an eigenen Forschungen über Geobiologie und Architektur. Ihn interessierte zunehmend, wie gebaute Räume und ihre Umgebung mit dem Menschen zusammenwirken.

Auf Forschungsreisen durch Europa begegnete er verschiedenen Richtungen der Geobiologie und Radiästhesie. Besonders prägend waren für ihn die Arbeit Walter Kunnens in Belgien und der Austausch mit Blanche Merz in der Schweiz.

Auch die Lecher-Antenne wurde zu einem seiner Arbeitsinstrumente.
Damit kam zu Planung und Architektur ein weiterer Zugang hinzu: die Untersuchung des konkreten Ortes und der Einflüsse, die sich aus dem Grundriss allein nicht ablesen lassen.
Dr. Prabhat Poddar, Vastu-Geobiologie-Seminar
VASTU UND GEOBIOLOGIE
Die Geobiologie veränderte seinen Blick auf Vastu
Anfang der 1980er Jahre beschäftigte sich Prabhat intensiv mit Vastu.

Die überlieferten Regeln interessierten ihn nicht nur als Vorgaben für Orientierung, Proportion oder die Anordnung einzelner Räume. Er wollte verstehen, welche Prinzipien hinter ihnen stehen und wie sie sich in einem realen Gebäude und an einem konkreten Ort zeigen.

Seine Erfahrungen mit Geobiologie eröffneten ihm dafür einen neuen Zugang.
Vastu gab ihm eine überlieferte Ordnung von Raum, Form, Orientierung und Proportion. Die Geobiologie ergänzte diesen Blick durch die Untersuchung des konkreten Ortes.

Diese Verbindung wurde zum Kern eines Ansatzes, den Prabhat über viele Jahre erforschte, lehrte und praktisch anwandte.
Mandala der Raumbeziehungen
MENSCH · HAUS · ORT
Ein Gebäude steht nie für sich allein
In Prabhats Lehre begegnen sich drei miteinander verbundene Räume:

Ghatakasha – der Raum des Körpers.

Grihakasha – der Raum des Hauses.

Mahakasha – der große Raum der Umgebung.

Der Gedanke dahinter ist einfach: Der Mensch lebt im Haus, und das Haus steht an einem Ort.

Keine dieser Ebenen lässt sich vollständig verstehen, wenn man die anderen ausblendet.

Diese Sicht auf Mensch, Gebäude und Umgebung gehört zu den Grundlagen von Prabhats Vastu-Geobiologie.
LEHRE UND WEITERGABE
Was Prabhat wusste, wollte er weitergeben
Prabhat war nicht nur Architekt und Forscher. Über viele Jahre unterrichtete er und arbeitete unmittelbar mit Schülern.

Dabei ging es nicht darum, möglichst viele Regeln auswendig zu lernen. Entscheidend war für ihn, Zusammenhänge selbst sehen, prüfen und in der praktischen Arbeit verstehen zu lernen.

Mit dem Akash Education and Research Trust und später der Akash Foundation schuf er einen Rahmen für Forschung, Ausbildung und die Weitergabe seines Wissens.

So entstand eine lebendige Schule. Menschen lernten direkt bei ihm, arbeiteten mit seinem Ansatz weiter und gaben vieles davon an andere weiter.

Sein Vermächtnis liegt deshalb nicht nur in dem, was er selbst erforschte und baute. Es lebt auch in den Menschen weiter, die bei ihm gelernt haben.
MEIN LEHRER
Was ich von Prabhat gelernt habe
Für mich war Prabhat nicht nur mein Lehrer in der Vastu-Geobiologie.

Wir führten viele lange Gespräche zu zweit – über die Ordnung der Welt, über Bewusstsein, über die Entwicklung der Seele und darüber, welchen Platz dieses materielle Leben in einem viel größeren Zusammenhang hat.

Prabhat war tief von Sri Aurobindo und der Mutter geprägt. So habe ich ihn in unseren Gesprächen verstanden: Die Seele beginnt und endet nicht mit einem einzelnen Leben. Das materielle Dasein ist wichtig, aber es ist nicht das Ganze. Es ist Teil eines Entwicklungsweges, der weit über das hinausreicht, was wir in einem einzigen Leben überblicken können.

Gleichzeitig war Prabhat kein Mensch, der sich mit einer geistigen Vorstellung zufriedengab. Schon früh machte er innere Erfahrungen, in denen sich ihm Zusammenhänge mit großer Klarheit und Geschlossenheit zeigten. Später wurde daraus eine lebenslange Suche: das, was zunächst als Erfahrung oder unmittelbare Erkenntnis da war, zu verstehen, zu erforschen und in der Wirklichkeit zu überprüfen.

Gerade diese Verbindung hat mich an ihm tief beeindruckt: eine sehr weite geistige Sicht und zugleich die Bereitschaft, genau hinzusehen, zu lernen, zu prüfen und immer wieder neu zu fragen.

Unsere Gespräche haben mich deshalb weit über meine Arbeit mit Räumen hinaus geprägt. Sie gehören zu den tiefsten Gesprächen meines Lebens.
Ich bin dankbar, dass ich Prabhat nicht nur als Lehrer, sondern auch als Gesprächspartner erleben durfte.

Ekam / Golden City


1998 wurde Dr. Prabhat Poddar zum Chief Architect and Town Planner des Golden City Project in Südindien berufen.

Hier konnte vieles von dem, was ihn über Jahrzehnte beschäftigt hatte, von Anfang an Teil der Architektur werden.